Meine Hassliste im April 2021.

Nach dem Vorbild des österreichischen Youtubers, Comedians und Autors Michael Buchinger, welcher in seinen Videos mit dem Titel „Hass-Liste“ regelmäßig einige Dinge aufzählt, die er aktuell besonders hasst, habe ich auch eine Hassliste angefertigt. Bei all diesen Dingen auf meiner Liste handelt es sich um Vorgänge, die mich zurzeit einfach nerven – und gegen die ich aber nichts tun kann, außer mich zu beschweren. Und das tue ich hiermit. Man möge diese Liste mit ein bisschen Humor nehmen, und, vor allem: den Sarkasmus an der richtigen Stelle bemerken.

1. Hass-Punkt: Handwerker*innen.

Da möchte man ein einziges Mal etwas renovieren und benötigt eine Fachkraft – und dann bekommt man weder eine Antwort auf eine Mail noch auf einen Anruf sowie einfach keine Rückmeldung mehr nah einer gemeinsamen Besichtigung und der Anforderung eines Angebots. Und das bei verschiedensten Handwerker*innen. Der eine „kann diesen Großauftrag frühestens im Winter machen“, dem anderen ist dieser Auftrag „zu klein für den erforderlichen Aufwand“. Ich habe jetzt schon Angst vor dem Tag, an dem ich mich dazu entschließe, ein Haus zu bauen – denn verlassen kann man sich mittlerweile auf kaum eine Leistung mehr.

2. Hass-Punkt: „Hoffnung! Hoffnung! Durchhalten! Durchhalten!“.

Nachdem Winfried Kretschmann in einem Interview mit Studenten mit, nunja, interessanten Aussagen zum Zusammenhang von Corona und Depressionen für Furore gesorgt hat, versuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am 12. April die Wogen zwischen Studierenden und Politik zu glätten. Er hielt eine Ansprache mit Live-Übertragung im Internet, in der er den Studierenden für ihr Durchhaltevermögen während der Pandemie dankte. Der große Clou: live konnte die Ansprache kaum verfolgt werden, denn der Livestream war so inkonsistent, dass kein Wort des Präsidenten gut zu verstehen war und minutenlang ein Standbild vorherrschte. Mein persönliches Highlight des Livestreams: Der Präsident sagt „Wir…brau…chen bessere…Bandbreiten…a..n…….den Hochschulen“, während er sich schon gar nicht mehr im Bild bewegt – dieser Lacher schenkte mir mindestens fünf lustige Minuten an diesem Tag. Doch die allgemeine Message der Rede war weiterhin ernüchternd. Hoffnung, Durchhalten, Hoffnung, Durchhalten – mehr war nicht drin. Keine sinnvollen Maßnahmen, keine kreativen Ideen, nicht einmal leere Versprechungen – nur inhaltsloses, wie von einer Langspielplatte abgespieltes Gelaber, welches bereits seit einem Jahr von überall vernommen werden kann. Gut gemeint, aber wohl nicht gut durchdacht. Danke – für nichts.

3. Hass-Punkt: Fake News.

Im Internet werden aus Impfungen kurzerhand fatale Medikamente wie Contergan, aus tausenden Toten werden „kaum Infizierte und alle sind nicht an Corona gestorben!!!“ und aus alten, für die Impfung dankbaren Menschen werden „Boomer, die sich jetzt auf Malle schon wieder mit Champagner besaufen und über uns im Lockdown lachen“. Das Gehetze im Internet wird so langsam unerträglich – und ich werde mir immer sicherer, dass ein wöchentlicher Medienkundeunterricht in der Schule, welcher die Schüler im Umgang mit Fakten aus dem Internet schult, notwendig wird. Denn dann können auch schon die Zehnjährigen ihren Eltern erklären, warum das, was Karen im Internet von sich gibt, absoluter Schwachsinn ist, und warum eine Impfung nicht gleich funktioniert wie ein Medikament. Google it, Karen.

4. Hass-Punkt: Unverhältnismäßigkeit.

Ein weiteres Internetphänomen. Schnelltests in der Grundschule werden mit pädophiler Vergewaltigung verglichen, und eine demokratische Regierung mit einer Diktatur. Ich behaupte ja einfach mal, dass ein Kind relativ wenig Probleme mit einem sterilen Ohrenstäbchen in den ersten 1,5cm seiner Nase hat, wenn es dafür jeden Tag seine Freunde sehen und mit diesen spielen kann – und weil es ohnehin hundert mal am Tag in der Nase popelt. Aber was weiß ich schon. Die Schnelltests in Schulen und Kindergärten haben nämlich nur damit zu tun, dass Kinder grundlos gefoltert werden sollen – und absolut gar nichts damit, dass der aktuelle Peak der Inzidenzen innerhalb der Altersgruppen 5-49 Jahre liegt und sich mittlerweile auch immer mehr Kinder sowie junge Eltern infizieren, die später mit Long Covid zu kämpfen haben. Sagt jedenfalls Karen aus dem Internet, für die wissenschaftliche Fakten falsch und unbelegte Meinungen „die wahren Fakten“ sind. Zügele deine Unverhältnismäßigkeit, Karen, und denk lieber noch einmal mehr darüber nach was du sagst als einmal zu wenig.

5. Die deutsche Rentenversicherung.

Ich beziehe eine Waisenrente. Was gut und vorteilhaft klingt, und es eigentlich auch ist, ist dennoch alle drei Monate aufs Neue nervig, denn alle drei Monate muss ich beweisen, dass ich immer noch studiere. Dabei bekomme ich jedes Mal einen Umschlag mit acht Blatt Papier zugeschickt, die ich mit den immer gleichen Daten befüllen muss. Die letzte Seite muss anschließend an meiner Hochschule abgestempelt und unterschrieben werden. Soweit, so gut – doch in Zeiten einer Pandemie komme ich nicht an meine Hochschule, und vor allem treffe ich dort niemanden an. Die Vorlage einer aktuellen Immatrikulationsbescheinigung reicht laut der Rentenversicherung jedoch nicht aus. Ich versende und empfange also jedes Mal zwei komplett unnötige Briefe, um meine andauernde Bezugsberechtigung zu bestätigen, und renne meiner Hochschule hinterher, an der ich immer konstant immatrikuliert bin. Dieser Prozess wiederholt sich seit mittlerweile drei Jahren immer und immer wieder, und bis heute frage ich mich, warum es denn nicht ausreicht, dass die Rentenversicherung jeden Monat die von meinem Studentengehalt eingezahlten Rentenversicherungsbeiträge verbuchen kann, an welchen sich seit drei Jahren nichts geändert hat -denn seit drei Jahren befinde ich mich im selben Arbeitsverhältnis als Duale Studentin. Außerdem verstehe ich bis heute nicht, warum das alles auf Papier gehen muss. Allein aufgrund meiner Person muss sich in irgendeiner Berliner Behörde ein gesamter Leitzordner voller Dokumente befinden, welcher lediglich dieselben Informationen in zwanzigfacher Ausführung enthält. Sowohl eine Verschwendung von Platz und Papier als auch von Porto und Transportemissionen – digital wäre das Ganze also nicht nur für mich einfacher. Ich hoffe, irgendwann wird auch diese deutsche Behörde verstehen, was Nachhaltigkeit und Effizienz bedeutet, und ihre Prozesse an die moderne Welt anpassen und flexibilisieren.

6. Hass-Punkt: Digitales Lernen.

Versteht mich nicht falsch, ich mag das Digitale Lernen an meiner Uni. Anfangs war ich sehr skeptisch, hatte Angst, den Kontakt zu meinen Komiliton*innen zu verlieren – doch das hat sich nicht bewahrheitet. Der Kontakt ist weiterhin gut und ich kann stets in meinem Tempo lernen und für mich sein, wenn ich es will – und genauso online Gesellschaft suchen, wenn ich es will. Doch in der nicht-digitalisierten, deutschen Gesellschaft hat das Digitale Lernen dennoch einige, eher viele, Schattenseiten. Einerseits haben es viele Lehrer*innen und Schulen offenbar bis heute, über ein Jahr nach Beginn der Pandemie, nicht geschafft, sich auf die „neuartige“ Situation einzustellen, und zum anderen läuft vieles immer noch viel zu chaotisch. Fünf verschiedene Vorlesungen auf fünf verschiedenen Plattformen, unübersichtliche Prüfungsordnungen und digitale Nichtschwimmer*innen als Dozent*innen machen einem das Leben schwer. Man sollte doch meinen, dass nach einem Jahr der Online-Lehre auch jeder Hinterwäldler kapiert hat, dass man sein Mikrofon einschalten muss, bevor man im Zoom-Call redet, und dass man sein Mikrofon ausschaltet sobald man fertig ist – doch falsch gedacht. Manchmal ist das Digitale Lernen wohl genauso angenehm und harmonisch wie ein Spieleabend über Zoom mit lauter Haien im Gegnerteam – und Ihr wisst, dass ich Spiele hasse und eine Wal-Eule bin. Ich hasse einfach diese nervigen Eigenarten der Calls und Online-Arbeiten, die täglich auftreten und beinahe jedem den letzten Nerv rauben, außer demjenigen, der das Ganze konkret verbricht.

Doch nun genug des Hasses, vielleicht schreibe ich als nächstes über meine fünf Top-Dinge des Monats – oder irgendetwas anderes, weniger negatives. Ich hoffe Ihr habt Euch etwas amüsiert.

Liebe Grüße,

Eure Eva

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