Korfu, Tag 8.

Abreise.

6:25 Uhr. Ich sitze im Transferbus und fühle mich, als hätte ich die Nacht durchgefeiert. Nur der halbe Liter Red Bull, den ich mir direkt nach dem Aufstehen reingeschüttet habe, hält mich am Leben. Der Bus ist beinahe voll mit Deutschen, die allesamt nach Stuttgart zurückfliegen wollen. Pünktlich zur Abfahrtszeit zählt unser Busfahrer durch und stellt anscheinend fest, dass jemand fehlt, denn anstatt loszufahren, rennt er laut fluchend zurück ins Hotel und diskutiert auf korfiotisch mit dem Portier. Es stellt sich heraus, dass der gesamte Bus auf Fritz und Margarethe wartet – diese sind, wie immer, zu spät. Trotz ihres Versäumnisses und der Schuld an der Verspätung packen sie seelenruhig ihr Gepäck in den Bus und können es nicht lassen, vor der Abfahrt noch mit dem Busfahrer zu diskutieren, wie und wie schnell er zu fahren hat, damit Margarethe nicht übel wird.

Am Flughafen angekommen lässt sich bereits das bevorstehende Chaos erahnen. Die Terminalhalle ist so überlaufen, dass ich mich nicht mal in das Gebäude quetschen kann, geschweigedenn herausfinde, wo ich mich denn jetzt anstellen muss. Von Anzeigen und sonstiger Organisation scheinen die Korfioten bislang nichts gehört zu haben. Eine Stunde vor Abflug bin ich immer noch nicht eingecheckt und stehe mit vielen anderen, erbosten Schwaben mitten in der Halle. Kein Grieche macht auch nur ansatzweise Anstalten, sich etwas zu beeilen. Mir läuft sichtlich die Zeit davon. In meinen Gedanken sehe ich bereits meinen Eurowings-Flug mitsamt meines Koffers abheben, während meine Wenigkeit immer noch im Stau des Sicherheits-Checks steckt. Genau zwanzig Minuten vor Abflug komme ich dran, dicht gefolgt von Fritz und Margarethe. Die beiden sind jetzt jedoch so übermüdet, dass sie sich zuerst noch hinsetzen müssen – ich nutze die Gunst der Stunde, um die beiden Nervensägen loszuwerden, und drängle mich durch die gesamte Schlange des Sicherheits-Checks. Einige erboste Kommentare lächle ich gekonnt weg, und bin genau eine Minute vor Ende des Boardings an meinem Gate. Mein Koffer steht schon vor dem Flugzeug zur Identifikation bereit. Als ich im Flugzeug sitze, ertönt bereits die Durchsage, dass sich der Flug aufgrund des Fehlens zweier Passagiere noch verzögern wird. Wer die beiden fehlenden Passagiere sind, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen – als die beiden endlich ankommen, werden Fritz und Margarethe mit giftigen Phrasen und bösen Blicken begrüßt.

Der Flug verläuft ereignislos. Lediglich die Heimfahrt mit der S-Bahn sorgt noch einmal für Comedy-Material. Im Abteil neben mir sitzen vier verkaterte Saufurlauber, die einen ungeplant langen Stopp an der Haltestelle Vaihingen unbedingt für eine Zigarette nutzen müssen. Gerade als alle vier ausgestiegen sind, schließen sich die Türen, und die Bahn fährt weg – mit dem Gepäck der Malledeutschen. Ein göttliches Bild. So endet ein durchaus mit Humor zu nehmender Urlaub genauso wie er angefangen hat – mit viel Witz, wenn man ihn doch nur bemerkt.

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