I like Fitness.

Es ist Montagabend. Ich stehe in meiner Möchtegern-sexy Sportleggins vor der Hintertür eines Fitnessstudios, in welchem ich ein Probetraining vereinbart habe.

Warum ich an der Hintertür stehe ist offensichtlich – von hinten gibt es die am nächsten gelegenen Parkplätze.

Seit Monaten nehme ich mir vor, das hier endlich durchzuziehen. Jetzt, wo ich endlich da bin, kommt es mir doch nicht mehr wie eine gute Idee vor. Was ich als Studio für alte Menschen mit Hüfte und ohne Meniskus erwartet hätte, scheint doch eine Pumper-Bude für testosterongesteuerte Asslacks zu sein.

Ich gehe zum Tresen, wo ein junger Typ mich begrüsst. Da er gefühlte zwölf Jahre alt und nicht gerade trainiert ist, rechne ich nicht damit, dass er mich trainieren wird. Trotzdem finde ich mich schon wenige Momente später mit ihm am Vibrationsgerät wieder, wo er mir demonstriert, auf welche Weise man am besten seinen Arsch auf dem Gerät positioniert, um den grössten Lockerungsfaktor für die Muskeln zu erzielen. Ich probiere ein paar Übungen aus. Schon nach wenigen Wiederholungen fangen meine Beine an, auch abseits der Vibration dauerhaft zu vibrieren. Anschließend probieren wir andere Positionen aus, die meisten beinhalten ein sehr auffälliges Herausstrecken des Gesäßes – anscheinend gehört das so. Die an der Wand hängenden Bilder bestätigen das auch.

Anschliessend zeigt der 12-jährige mir noch Übungen an Geräten, die für mich alle gleich aussehen, tatsächlich aber einfacher zu benutzen sind als erwartet. Schon mit wenig Gewicht komme ich ins Schwitzen. Anscheinend gibts da noch Potential nach oben, meint der 12-jährige. Der hat gut reden, denke ich.

Nach dem Geräterundgang setzen wir uns hin und der Trainer legt mir die Vertragsbedingungen vor. Die anfänglich von mir vermutete Inkompetenz seinerseits löst sich in Luft auf, denn er kann mir genauste Informationen geben und berät mich sehr kompetent. Abschließend bekommst du eine Werbe-Tüte mit deinem Durchschlag und anderem Zeug, sagt der Trainer. Er gibt mir ein Armband auf dem steht „I like Fitness“.

Ich setze mich noch eine Runde aufs Fahrrad und fahre einigen anderen Besuchern hinterher. Draussen scheint die Welt stehen geblieben zu sein, als ich schwitzend andere Sportler beobachte, die verbissen auf Laufbändern oder Steppern rennen und sich währenddessen einen Sissi-Film auf einem überdimensionalen Flachbildschirm ansehen. Es ist erbärmlich. Ich bin motiviert, dieses Etablissement öfter aufzusuchen.

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